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Goldgräberstimmung im Wallis

Das Parlament macht den Weg frei für riesige Freiflächenanlagen. Nun wittert man das grosse Geschäft - auf Kosten der alpinen Landschaften.

Dank der öffentlichen Diskussion und den behördlichen Warnungen im Zusammenhang mit der drohenden Strommangellage wittern findige Geister das grosse Geschäft. Oder genauer gesagt: Es locken Subventionen, Solarzinsen und Steuergeld aus dem Unterland. Sogar das energiewende-freundliche Schweizer Fernsehen, wundert sich über die Euphorie. Es schreibt: «Klotzen statt kleckern: Im Wallis ist eine regelrechte Solar-Euphorie ausgebrochen. Jüngstes Beispiel ist das Projekt Vispertal Solar: 800'000 Solarmodule sollen hoch über dem Matter- und Saastal dereinst an verschiedenen Stellen 1,45 Terawattstunden Strom produzieren, die Hälfte davon im Winter. Kostenpunkt: 1,45 Milliarden Franken.»

Treibende Kraft hinter den Walliser Solarprojekten sind die Gebrüder Bodenmann: Peter ist ehemaliger SP-Präsident und heutiger Hotelier, Martin hat ein Planungsbüro. Auch beim Projekt Grengiols Solar haben Bodenmanns die Finger im Spiel. Beim dritten Walliser Projekt, Gondo-Solar, mischt mit Alpiq einer drei grossen Schweizer Stromproduzenten mit.

Für die Schweizer Landschafts- und Naturschutzverbände sind die riesigen Freiflächenanlagen in den Alpen die Quittung für ihre Haltung zur Energiestrategie. Wir erinnern uns: Dank dem Parlament geniessen Solaranlagen nun Vorrang vor Umwelt und Natur. Nun zeigt sich die Stiftung Landschaftsschutz bestürzt. Ihr Chef Raimund Rodewald sagt: «Die gesamten Alpen werden zu einer Bauzone, zu einem Notstromaggregat für das Unterland. Ich bin sprachlos.»

Ob die Anlagen tatsächlich realisiert werden, steht aber noch in den Sternen. Für die Sonntagszeitung sind sie eine Fata Morgana. Es sei völlig unklar, wie der Strom ins Mittelland gelangen soll. Es fehlen nämlich die Stromleitungen. «Für die neuen Solarkraftwerke braucht es eine Erneuerung der Hochspannungsleitungen. Im Moment kann nicht einmal aller heute hergestellte Strom ins Mittelland gebracht werden», schreibt die Sonntagszeitung. Der Bau von neuen Stromleitungen unterliegt komplexen Verfahren. Planung und Bau dauern teilweise 25 Jahre und werden bei jedem Schritt von hunderten Einsprachen begleitet.

Ausserdem: Sonnenklar ist, dass alpine Solaranlagen in der Realität nicht das liefern werden, was heute versprochen wird. Erstens ist mit viel höheren Kosten für Erstellung und den Unterhalt zu rechnen. Das verteuert den Strom massiv – ohne dass die benötigten Speicherkapazitäten eingerechnet wurden. Zweitens liefern die Anlagen viel weniger Strom als jetzt angekündigt wird. Auch in den Bergen gibt es Tage ohne Sonnenschein oder mit viel Schneefall und die Tage sind kurz.

Der Journalist René Zeyer kommt auf Insideparadeplatz zum Schluss: Es handelt sich um eine Furz-Idee.

Riesige Freiflächenanlagen auf Kosten der Natur - jetzt herrscht Goldgräberstimmung.