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Energiestrategie im Wolkenkuckucksheim

Konsequent verzichten die Verfechter der Schweizer Energiestrategie darauf, konkrete Zahlen zu nennen. Wir haben deshalb gründlich nachgerechnet, was Netto Null ohne Kernenergie denn wirklich heisst.

Der Schweizer Bundesrat hat zwei Strategien. Die Energiestrategie 2050 bedeutet Ausstieg aus der Kernenergie. Die Netto Null Strategie 2050 bedeutet Ausstieg aus den fossilen Energiequellen.

Der Zielkonflikt ist offensichtlich. Man kann nicht auf rund 35 Prozent sichere Stromproduktion verzichten und gleichzeitig aus allen fossilen Energiequellen aussteigen. Fossile Energiequellen können nur ersetzt werden, wenn genügend CO2-armer Strom produziert wird. Elektroautos und Wärmepumpen brauchen eine sichere, klimaneutrale Stromproduktion.

Dieser Zielkonflikt zwischen Versorgungssicherheit und Klimaschutz wird immer mehr Schweizerinnen und Schweizer bewusst. Das hat in jüngster Zeit dazu geführt, dass das Thema Kernenergie wieder vermehrt Eingang in die öffentliche Diskussion gefunden hat. Verschiedene Politiker haben die Forderung platziert, den Ausstieg aus der Kernenergie zu überdenken. Auch die Medien berichteten darüber.

Keine faktenbasierte Diskussion

Die Fraktion der Kernenergie-Gegner und Subventionsempfänger scheut allerdings die faktenbasierte Diskussion. Lieber beten sie das Mantra, dass Solar- und Windenergie die Schweiz dereinst mit Strom im Überfluss versorgen werden. Exemplarisch dafür steht der jüngste Artikel von Martin Läubli im Tagesanzeiger (Abo). Dabei fällt vor allem etwas auf: Immer wenn es um konkrete Zahlen geht, wird gekniffen. Ebenso wird nie über die direkten Kosten geschrieben. Über Opportunitätskosten schon gar nicht – also auf was die Schweiz alles verzichten muss, weil wir unser Geld für die unsinnige Energiewende zum Fenster hinaus werfen.

Wir finden deshalb, dass es an der Zeit ist, konkrete Zahlen zu präsentieren.

Konkrete Zahlen zeigen die Unmöglichkeit

Der Ersatzbedarf für die «Energiewende» ist einfach zu bestimmen: Die Kernkraftwerke produzierten 2019 (als Mühleberg noch in Betrieb war) 25,3 TWh. Um diese Produktion durch Solarenergie zu ersetzen, werden knapp 28 GW Leistung benötigt bei 900 Vollaststunden (das Jahr hat aber 8670 Stunden). Das heisst bei 6 m2/kW braucht es 170 Quadratkilometer Solarzellen. Das ist in etwa die Fläche des Vierwaltstättersees, des Thunersees und des Bielersees zusammen.

Für «Netto Null» ist es ein wenig komplizierter, aber für eine grobe Schätzung reichen einige plausible Annahmen. Der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz betrug 2019 total 230 TWh. Davon waren 55 TWh elektrische Energie. Vom Rest, 175 TWh, stammten gemäss Gesamtenergiestatistik des Bundes rund 140 TWh aus fossilen Energiequellen. Was übrig bleibt, haben diverse erneuerbare Quellen beigesteuert, hauptsächlich Biomasse. Elektromotoren sind zwischen zwei und fünf Mal effizienter als Verbrennungsmotoren. Auch bei Heizungen ist eine Wärmepumpe rund drei Mal effizienter als eine Ölheizung. Als grobe Schätzung können wir also annehmen, dass elektrische Energie dreimal effizienter ist als fossile Energie. Ausserdem setzen wir voraus, dass alles elektrifiziert werden kann – was allerdings zum Beispiel im Falle der Luftfahrt Innovationen voraussetzt, die heute nicht absehbar sind.

Somit können 140 TWh fossile durch 47 TWh elektrische Energie ersetzt werden. Die notwendige installierte photovoltaische Leistung ist rund 52 GW, wofür 310 Quadratkilometer Fotozellen installiert werden müssten. Zusammen mit dem Ersatz der Kernkraftwerke also 480 Quadratkilometer Solarpanels. So gross ist der Kanton Obwalden. Kosten dürfte das um die 100 Milliarden Franken.

Das ist aber noch nicht alles. Die total rund 72 TWh verteilen sich nämlich nicht gleichmässig über das ganze Jahr. Grob geschätzt fällt im Sommerhalbjahr doppelt so viel Energie an, wie im Winterhalbjahr. Das heisst, dass 12 TWh vom Sommer in den Winter verschoben werden müssten, unter Vernachlässigung des höheren Winterbedarfs. Denn im Winter müssen wir heizen und es braucht mehr Licht. Diese saisonale Speicherung lässt sich einigermassen wirtschaftlich nur mit Pumpspeicherung machen. Die Speicherkapazität aller Speicherseen in der Schweiz beträgt 8,8 TWh, davon sind rund 8 TWh nutzbar. Das heisst, wir müssten das eineinhalbfache des heute in der Schweiz bestehenden Stauraums zubauen. Ein solcher Stausee hätte das Volumen des Thuner- und Brienzersee zusammen. Und er müsste über eine Fallhöhe von 360 Meter verfügen. Man braucht die Kosten gar nicht zu schätzen. Es geht einfach nicht!

Fazit: wenn «Netto Null» ernsthaft erwogen wird, muss die Energiestrategie 2050 zu ihrem Gegenteil werden: Statt Ausstieg aus der Kernenergie bräuchte es einen massiven Ausbau.

Um den Sommerstrom ins Winterhalbjahr zu transferieren, braucht es einen Stausee der ein Volumen hat wie der Brienzer- und Thunerseee zusammen. Das ist nicht möglich. (wiki/Norbert Marwan)