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Wir brauchen die Kernkraft

Götterdämmerung bei den Verfechtern der Energiewende? Die Kernkraftwerke sollen länger am Netz bleiben, da der Schweiz sonst eine massive Stromlücke droht.

Es war eines der Hauptargumente der Kernkraftgegner in der Schweiz: Die Kernkraft sei zu teuer. Selbst die Betreiber der heutigen KKW hätten kein Interesse daran, weiter auf Kernkraft zu setzen. Es lohne sich schlicht nicht. Nun zeigt sich: Dieses Argument stimmt nicht.

Wie die NZZ am Sonntag (Abo) schreibt, profitieren gerade die Schweizer KKW überproportional von dem sich zurzeit stark verändernden Marktumfeld. Die strengere Klimapolitik der EU führt dazu, dass die hiesigen Kernkraftwerke zunehmend attraktiv werden. Sie stossen kein CO2 aus und müssen daher auch keine der stetig teurer werdenden CO2-Emmissionszertifikate kaufen. Zudem erhöhen sich die Strompreise in Europa seit einiger Zeit wieder. Im Jahr 2016, noch vor der Abstimmung über die Energiestrategie 2050, waren diese noch bei rekordtiefen 25 Franken pro Megawattstunde. Der Grund dafür lag bei den hohen Subventionen für Solarstrom. Inzwischen liegt der Strompreis bei 82 Franken pro Megawattstunde. In Deutschland steigt er bei Dunkelflaute auch mal auf 120 Euro. Gut möglich, dass er noch weiter steigt. Denn die Umschichtungen in der Europäischen Stromlandschaft sind noch lange nicht abgeschlossen.

Hinzu kommt, dass der Preisanstieg im Winterhalbjahr stärker ist als im Sommer, weil dann der Strom in ganz Europa mittlerweile knapp ist. Die Folge: Der positive Effekt ist bei denjenigen Kraftwerken besonders gross, die mehr CO2-freien Strom im Winter produzieren. Der Autor des Artikels kommt denn auch zu folgendem Schluss: «Bleiben die Strompreise und die politischen Rahmenbedingungen stabil und werden keine riesigen Investitionen nötig, könnten die letzten Betriebsjahre der Kernkraftwerke zur Goldgrube werden.»

Die Idee, die Kernkraftwerke länger laufen zu lassen als eigentlich vorgesehen, bekommt damit weiteren Aufwind. Denn nicht nur die zunehmende Wirtschaftlichkeit spricht dafür, Gösgen, Leibstadt und Beznau mindestens 60 Jahre am Netz zu belassen. Wie es scheint, weibelt man auch von Seiten Bundesverwaltung dafür, dass die hiesigen KKW-Betreiber mithelfen, eine Schweizer Stromlücke zu verhindern. Denn nicht nur bei der ELcom, auch beim Bundesamt für Energie, blickt man neuerdings offenbar mit Sorge in die Stromzukunft. Ein Wegfall der KKW, der schleppende Ausbau der Erneuerbaren sowie das gescheiterte Rahmenabkommen mit der EU erhöhen in den Wintermonaten die Gefahr einer massiven Versorgungslücke. Eine Verlängerung der KKW-Laufzeiten um 10 Jahre würde zumindest vorübergehend Abhilfe schaffen. In den USA gibt es übrigens Kernkraftwerke, die über eine Bewilligung für 80 Jahre verfügen.

Langfristig würde das Problem aber auch mit einem massiven Zubau von Photovoltaik bestehen bleiben, weil schneebedeckte Solaranlagen 0 kWh produzieren. Angesichts der Preisentwicklung und der schlechten Aussichten bezüglich Versorgungsicherheit wäre es vermutlich gut, das Bundesamt für Energie würde sich bei den Stromkonzernen nicht nur darüber erkundigen, ob die bestehenden Kernkraftwerke länger betrieben werden können. Sondern auch sondieren, ob gar neue Kernkraftwerke im Bereich des Möglichen liegen.

Stromproduktion einer Solaranlage bei Winterthur im Januar 2021. Ohne Kernkraftwerke funktioniert es nicht! (Grafik: zvg.)