Wie finanziert man Kernkraftwerke?

Kernkraftwerke sind Grossprojekte. Ihre Finanzierung ist anspruchsvoll, aber nicht anspruchsvoller als die Finanzierung anderer Grossprojekte wie etwa die NEAT oder die Autobahnen. Wir zeigen, wie es gehen könnte.

Ein beliebtes Argument gegen Kernkraftwerke heisst «AKWs sind nicht finanzierbar». Abgesehen davon, dass das Argument zurzeit in aller Welt über 50-fach widerlegt wird – so viele Kernkraftwerke sind im Bau – gibt es keinen Grund, warum ein KKW schwieriger zu finanzieren sein sollte als andere grosse Infrastrukturbauten. Wir haben die NEAT finanziert, die Autobahnen, Bahnhöfe und Flughafen Terminals. Ein grosses KKW kostet 5 bis 6 Milliarden und hat eine Bauzeit von 8 bis 10 Jahren. Die NEAT kostete 23 Milliarden Franken und der Bau dauerte über 20 Jahre.

Das erste KKW, Beznau 1, finanzierte die damalige NOK aus eigenen Reserven und mit Krediten anderer Kraftwerksgesellschaften. Ähnlich machte es die BKW beim Bau des KKW Mühleberg, wobei der Kanton Bern als Hauptaktionär eine wichtige Rolle spielte.

Heute geht man davon aus, dass es nicht der Bund ist, der ein KKW bauen wird, sondern eine privatwirtschaftliche Unternehmung. Diese muss während der Bauphase Jahr für Jahr fast eine Milliarde investieren, ohne dass daraus ein Ertrag entsteht. Im Gegenteil, das investierte Kapital muss verzinst werden. Das kostet leicht eine weitere Milliarde. Wenn das Werk dann endlich läuft, erzielt es einen Bruttoertrag von vielleicht 800 Millionen. Davon sind 3 bis 400 Millionen als Zinsen und 300 Millionen als Betriebskosten abzuziehen. Da bleibt für die Amortisation nicht viel übrig. Es geht also darum, die Finanzierungskosten möglichst tief zu halten. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Darlehen vom Bund: Die 30-jährigen Bundesanleihen rentieren zurzeit leicht über einem halben Prozent. Wenn der Bund eine Anleihe zu Gunsten eines Erbauers eines KKW auflegen würde, könnte dieser vom tiefen Zins profitieren. Rechtliche und politische Hindernisse sind selbstverständlich abzuklären.
  • «Regulated Asset Base» (RAB). Das ist ein System, das im Vereinigten Königreich angewendet wird. Dabei erhebt der Stromversorger einen Zuschlag auf dem Strompreis, analog unserer heutigen Netzabgabe, der dem Erbauer des Kraftwerks die Investitionskosten deckt. Das heisst, die Stromkunden gewähren eine Vorfinanzierung für das Kraftwerk und profitieren später von tiefen Strompreisen.
  • BBB-Modell: «Bauen, besitzen, betreiben». Der Lieferant des KKW baut dieses auf eigene Kosten, betreibt und wartet es und verkauft den Strom auf eigene Rechnung. Dieses Modell wendet Rosneft bei ihren ausländischen Kunden an: In der Türkei und in Ägypten. Aber auch SMR-Produzenten wie Oklo planen mit diesem Modell.
  • Differenzverträge: Das Risiko für den Investor wird minimiert, indem der Staat einen festen Strompreis garantiert. Wenn der Marktpreis unter diesem garantierten Preis liegt, zahlt der Staat die Differenz. Liegt er darüber, erhält der Staat die Differenz. Mit diesem Modell wird Hinkley Point C gebaut.
  • In der Schweiz wäre (theoretisch) ein weiteres Modell denkbar: Die CO2-Abgabe ist im Prinzip eine Lenkungsabgabe, deren Ertrag an die Bevölkerung zurückgeben werden muss. Man könnte argumentieren, dass man diese Erträge für den Bau eines KKW verwenden könnte, da die ganze Bevölkerung von einer sicheren und klimafreundlichen Stromversorgung profitiert. Alternativ könnte man weniger als die Hälfte dafür einsetzen, was verfassungsrechtlich zulässig wäre. Auch die knappe Hälfte brächte immer noch hunderte Millionen pro Jahr ein.

Man hat früher Kernkraftwerke finanziert, man finanziert in aller Welt Kernkraftwerke. Es gibt keinen Grund, warum das in der Schweiz nicht wieder möglich sein sollte. Es ist die alte Geschichte: Wer nicht will, sieht Probleme – wer will, sieht Lösungen.

Quelle: Envato

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