Die Schweizerische Energie-Stiftung SES hat sich zum Sprachrohr derjenigen gemacht, welche die sichere Stromversorgung mit Kernkraft ablehnen. In unserem Kommentar gehen wir – einmal mehr – auf die Vorbringen der SES ein. Der Bevölkerung wird von der SES Sand in die Augen gestreut!
Der Energie Club Schweiz hat es schon angeprangert: Im Juni 2024 sagten 68,7 Prozent der Stimmberechtigten Ja zum „Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien“. Wer will das nicht?
Doch der Titel ist eine glatte Lüge: Das Stromloch im Winter lässt grüssen. Schneebedeckte Solarzellen liefern Null Kilowattstunden, da kann man noch so viel zubauen: 5 mal Null bleibt Null.
Und im Sommer gibt es am Mittag mit Solarkraftanlagen zu viel Strom. Gemäss der SES würden sich die Stromüberschüsse in Batterien speichern lassen. Ja, Tag Nacht-Ausgleich ist mit Batterien möglich, damit wir am Abend nicht im Dunkeln sitzen. Aber Batterien, die den Sommerstrom für den Winter speichern gibt es nicht.
SES: Bandenergie aus Atomkraftwerken drückt auf die Strompreise. AKW laufen auch dann, wenn der Strom nicht gebraucht wird.
Ja: Kernkraft drückt auf die Strompreise, denn sie ist dauerhaft günstig.
Was die SES anscheinend noch nie gehört hat, ist der Umstand, dass Kernkraftwerke sehr wohl der Last folgen können. Das heisst, wenn weniger verbraucht wird, wird auch weniger produziert, um das Netz zu entlasten. Das kann das Kernkraftwerk Gösgen schon lange. In Frankreich ist die nachfrageorientierte Produktion Alltag. 10% weniger Leistung eines Kernkraftwerks sind immerhin 100 MW weniger, was die Leistung von rund 100’000 m2 Solarzellen kompensiert.
SES: Schon bald nach dem Volksentscheid im Juni 2024 beschloss der Bundesrat, einen indirekten Gegenvorschlag zur Blackout-Initiative, das heisst das seit 2017 bestehende AKW-Neubauverbot aufzuheben. Die Vernehmlassung zeigte Sympathien für die Streichung des Technologieverbots. Als Erstrat beschloss, der Ständerat am 11. März 2026 mit 26:12 Stimmen bei 3 Enthaltungen, das Verbot aufzuheben, zum Ärger von SP, Grünen und Grünliberale .
Bei neuen Atomkraftwerken in Europa wurden Baukosten und Bauzeit regelmässig überschritten. Olkiluoto und Flamanville sind die «Lieblingsprojekte» der AKW-Gegner. Beide waren Prototypen, die ersten ihrer Art. Die Lieferketten mussten neu aufgebaut werden.
Doch heute hat Finnland – trotz der langen Bauzeit und den zusätzlichen Kosten – die tiefsten Strompreise der EU. Die Grünen Finlands haben umgeschwenkt, sie unterstützen sogar ein weiteres neues Kernkraftwerk. Denn die CO2-Emissionen sind der Stromproduktion gesunken, das hat auch Greenpeace in Finnland eingesehen und unterstützt nun neue Kernkraftwerke.
In Flamanville ist es ähnlich. Seit das Kernkraftwerk in Betrieb ist, kann Frankreich Deutschland jederzeit Strom verkaufen, wenn im Winter Dunkelflaute herrscht. Deshalb will die EDF (Électricité de France) mehr als ein Dutzend neue Kernkraftwerke bauen, um Geld zu verdienen und die Stromversorgung in Mitteleuropa zu stabilisieren.
Wenn man ein Verbot aufhebt, wird nichts weiteres beschlossen. Deshalb erübrigt sich eine Diskussion über Kosten. Über Kosten spricht man, wenn ein Projekt vorliegt. Das hat der Ständerat so beschlossen.
SES: Dazu kommen Atommüll, das Risiko von Unfällen und die Uran-Abhängigkeit von Russland.
Das alte Lied! Atommüll ist kein Problem. Alle anderen Methoden der Stromproduktion produzieren millionenfach mehr Abfall. Innert eines Menschenlebens ist der allergrösste Teil der radioaktiven Restmengen eines Kernkraftwerks zerfallen. Der kleine Rest wandert ins geologische Tiefenlager.
Das Risiko von Unfällen besteht für die Reaktoren der Generation 3+ nicht mehr. Die Abhängigkeit von Russland besteht nur noch bei der Anreicherung, aber Europa und die USA bauen unterdessen eigene Anlagen.
SES: Und «technologieoffen» war die Atomlobby noch nie. Seit Jahrzehnten blockiert sie die Energiewende mit allen denkbaren Mitteln, zum Beispiel mit Desinformationskampagnen wie der neuesten «Studie» des Atomkonzerns Axpo. Darin wird neuer Atomstrom extrem billig dargestellt – billiger als erneuerbare Energien!
Es ist nicht die «Atomlobby», welche die Energiewende blockiert. Es ist die Physik und die Wirtschaftlichkeit. Wer frohlockt, Geld verdienen zu können, wenn seine Investitionen NICHT produzieren, ist auf dem falschen Dampfer.
Und ja – Atomstrom ist unschlagbar billig. Das zeigen die Jahresberichte der Schweizer Kernkraftwerken.
SES: Es koste den Bund nur 4,4 Rp./kWh, ein neues AKW zu bauen. Allerdings will die Axpo selbst keinen einzigen Rappen beisteuern. Zahlen solle der Staat. Für grossspurige Atompläne fehlt der Axpo aber die Rückendeckung. «Es gibt keinen Auftrag an die Axpo Holding, den Kanton mit Strom zu versorgen», schrieb der Zürcher Regierungsrat schon 2015.
Für die Axpo gilt nach dem negativen Volksentscheid in Schaffhausen immer noch der NOK-Gründungsvertrag von 1914. Darin ist klipp und klar die Versorgungspflicht für die Kantone in der Nord-Ostschweiz als oberstes Ziel festgehalten: Vom Aargau über Zürich, Zug, Schaffhausen, St. Gallen, Glarus und Thurgau.
SES: Die Axpo sei «vornehmlich eine Beteiligung aus finanziellen Interessen». Auffällig auch: Die Atomkonzerne Alpiq und BKW sagen kein Wort dazu, denn sie wissen: Für Atom-Abenteuer würden sie an der Börse sofort abgestraft. Ihre Bonität wäre in Gefahr. Auch beim Bundesamt für Energie und an den Hochschulen findet sich keine einzige ernstzunehmende Studie oder Fachperson, die den Bau neuer Atomkraftwerke anstelle von erneuerbaren Energien empfiehlt.
Klar, für die SES sind solche Stimmen per definitionem nicht ernst zu nehmen. Wo käme man auch hin, wenn man auf Fachleute wie Prof. Annalisa Manera oder Prof. Alexander Pautz hören würde?
Richtig: Zu einer sicheren Stromversorgung. So wie es die Schweiz seit vielen Jahrzehnten hat, dank Wasserkraft und Kernkraft.