Kommentar: Was wir von Finnland lernen können

Gastkommentar von Dr. Irene Aegerter, Expertenbeirat des Energie Club Schweiz, zum aufsehenerregenden Besuch der grünen Finnin in Genf. Das Westschweizer Fernsehen widmete dem Besuch sogar einen ausführlichen Beitrag zur besten Sendezeit. Der Kommentar zeigt: Deshalb geht es Finnland bei der Stromversorgung so gut!

Längst schon pfeifen es die Spatzen von den Dächern: die Grünen in Finnland sind für Kernkraftwerke – und sogar die Greenpeace-Sektion im Land der 100’000 Seen. Was ist da in Skandinavien los?

Das wollte der Energie Club Schweiz wissen und lud die grüne Finnin nach ihrem Besuch des WiN-Europe Meeting (Women in Nuclear) in Baden nach Genf ein. Ich selbst hatte Gelegenheit, mit Törmänen am Panel und am Nachtessen des Meetings intensiv zu diskutieren.

Prof. Bernard Hirschel, das Vorstandsmitglied aus der Romandie lud die Grünen Genf, die GLP Genf und die SP Genf zu einer Debatte mit Törmänen ein. Die Grünen und die SP sagten jedoch kurzfristig ab. Die Grünen Schweiz schrieben sogar Ihrer Schwesterpartei in Finnland, was ihnen denn einfalle, sich in die Schweizer Politik einzumischen. Immerhin die GLP war bereit zu diskutieren und zu hören, warum Grüne, welche sich für den Schutz der Natur und für Klimaschutz einsetzen, sich plötzlich für Kernenergie begeistern.

Das wollten auch die Genfer Medien wissen und interviewten Törmänen im «Forum» des RTS (analog «Echo der Zeit» im SRF) um 18h und konfrontierten die Präsidentin der Grünen Schweiz, Lisa Mazzone mit Törmänen’s Aussagen. Auch die «Tribune de Genève» stellte Tea auf der Frontseite mit Foto vor und gab Ihr eine volle Zeitungsseite. (Die Beiträge sind hier verlinkt.)

Was hat Finnland besser gemacht als die Schweiz?

Das erste kommerzielle Kernraftwerk in Loviisa ging im Jahr 1977 in Betrieb. Es ist ein russischer Kraftwerkstyp, aber die Finnen wollten ein Kernkraftwerk mit Containment haben, das die Schweizer Firma Sulzer gebaut hat. Das Schweizer Wappen im Containment ist der Beweis dafür.

1978 nahmen Olkiluoto 1 sowie1980 Lovisa 2 und Olkiluoto 2 die kommerzielle Stromproduktion auf. Dann geschah 1986 der Unfall in Tschernobyl in einem RBMK-Reaktor. Dieses Reaktortyp wurde ausserhalb der Sowjetunion nirgends bewilligt. Zudem missachtete die Mannschaft elementare Sicherheitsvorschriften bei ihrem Experiment.

Dieser Unfall warf die aufstrebende Nuklearindustrie in Europa massiv  zurück. Die 1983 gegründeten GRÜNEN Schweiz startete zwar mit dem Widerstand gegen ein Autobahnprojekt in Neuenburg, doch bald kam in der dicht besiedelten Schweiz der Widerstand gegen Atomkraftwerke dazu mit Angst-Kampagnen der SP und der Grünen:

Wohin zügeln Sie nach einer Atomkatastrophe?

Zwar lehnte das Schweizervolk 1990 den Ausstieg aus der Kernenergie ab, aber das Stimmvolk nahm ein 10 jähriges Moratorium für neue Kernkraftwerke an – eine Denkpause.

Finnland hatte keine Denkpause. Das Land musste seine Stromversorgung sicherstellen. Interessanterweise waren die meisten finnischen Grünen Akademiker, kamen von der Umweltbewegung, wollten die Natur schützen. Gleichzeitig warnten die ersten Klimawissenschafter vor dem Treibhauseffekt.

Wissenschaftler sind sich gewohnt, wissenschaftliche Studien zu vergleichen. Dabei kam klar zutage, dass Uran ein sehr energiedichtes Material ist, das mit wenig Material viel Strom produzieren kann. Im Gegensatz zu den fossilen Energieträgern Kohle, Oel und Gas produziert Uran zwar radioaktive Spaltprodukte, aber kein CO2, das für den Klimawandel (mit)verantwortlich ist.

Das war die Ausgangslage in Finnland. Heute haben sie ausreichend, günstigen und einheimischen Strom – dank genug Kernkraftwerken.

Es stellt sich die Frage: Wie bringen wir in der Schweiz die Naturschützer dazu, sich mit der sauberen Kernenergie zu befassen, die Zahlen anzuschauen und zuzugeben, dass die Erneuerbaren im Winter einfach nicht genügen? Schneebedeckte Solarzellen produzieren nun keine einzige Kilowattstunde!

Dann ist für Jürg Grossen wie Roger Nordmann klar, dass es Gaskraftwerke brauchen würde. Wann merken die Solar-Lobbyisten, dass sie damit ihr Klimaziel nie erreichen können?

jkljk

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