Eine eigenartige Studie hat in der letzten Augustwoche 2026 das Licht der Welt erblickt. Der Leiter der Energiekommission der Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT), eine der vier Akademien der Wissenschaften Schweiz (a+), hat im Alleingang kundgetan, was alle längst wissen: Es habe Kernkraftwerk-Projekte gegeben, die mehr gekostet haben als erwartet und deren Bauzeit viel länger gedauert hat als geplant. Das behaupten die AKW-Gegner ja schon seit langer Zeit.
Das Irritierende ist, dass der Autor der Studie insinuiert, es sei die Regel, dass auch der Bau eines Kernkraftwerks in der Schweiz zwangsläufig Jahrzehnte dauern und dutzende Milliarden verschlingen würde. Die Studie malt dabei mit einem Worst-Case-Szenario schwarz!
Dabei verschweigt der Autor, dass die verunglückten Projekte allesamt Prototypen waren. Sie waren nie zuvor gebaut worden. Die erfahrenen Fachleute fehlten. Die Lieferketten waren nicht vorhanden. Die Behörden forderten während des Baus ständig Anpassungen. Als obere Grenze für die Kosten wählt er die von Hinkley Point C in Vereinigten Königreich: 43 Milliarden Pfund. Er vergisst allerdings zu erwähnen, dass es sich dort um zwei Reaktoren handelt, welche errichtet worden sind.
Auch das Projekt «Barakah» in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) hat er vergessen, zu berücksichtigen. Das ist ein so eklatantes Gegenbeispiel, dass es sich lohnt, die Geschichte nochmals kurz zu erzählen. Die Vereinigten Arabischen Emirate wachsen seit vielen Jahren. Energiesorgen haben sie trotzdem keine – sie haben Erdöl und Gas. Trotzdem fragten sich die Verantwortlichen: Warum verbrennen wir all das, wenn wir es teuer verkaufen könnten? Können wir uns denn nicht billiger mit Energie versorgen? Mit Sonnenenergie? Schon 2007 hat man die Öko-Utopie-Stadt in der Wüste geplant: Masdar City. Doch dort gibt es Sandstürme. Diese schmirgeln die Photozellen schnell weg. Dann kam die Regierung der VAE auf die Idee, Kernenergie als Option zu prüfen. 2009 holte man sich Offerten für vier Blöcke ein. Ausgewählt haben sie ein Koreanisches Modell – sehr zum Ärger der Franzosen. Mit dem Bau hat man 2012 begonnen. Bereits Ende 2020 hat Block 1 mit voller Leistung den Probebetrieb aufgenommen und der letzte Block ging im März 2024 in Betrieb. Seither produzieren vier Reaktoren je 1400 MW. Das ist mehr, als die Schweiz im Durchschnitt Strom verbraucht.
Die VAE haben auch eine Universität aufgebaut, um die Reaktoringenieure und -Operateure selbst auszubilden. Mit Hilfe der IAEA wurde 2009 die unabhängige Kernenergie-Aufsichtsbehörde FANR (Federal Authority for Nuclear Regulation) gegründet. Sie reguliert seither die gesamte zivile Nuklearindustrie, den Strahlenschutz sowie den Umgang mit radioaktiven Materialien im Land.
In 12 Jahren kann man also vier Kernkraftwerke bauen, sogar in einem Land, wo kein Wissen über Nukleartechnik vorhanden war. Auch die Kosten von 25 Milliarden USD überschritten die budgetierten 20,5 Milliarden unwesentlich. Die Kilowattstunde kostet ein Viertel der Kosten aus Gaskraftwerken.
Die Schweiz hat also ein gutes Vorbild. Dazu können wir auf jahrzehntelange, positive Erfahrungen mit der Kernkraft in unserem eigenen Land zählen. Schreiben wir diese Geschichte fort!