Alles wir teurer. Vor allem die Wohnungen und die Krankenkassenprämien. Fast täglich hört und liest man Klagen. Warum klagt niemand über die hohen Strompreise? Weil die Stromkosten in einem durchschnittlichen Haushalt gegenüber Mieten und Krankenkassenprämien kaum ins Gewicht fallen. In der Industrie und im Gewerbe jedoch sind sie ein wichtiger Kostenfaktor – und sie haben sich in nur 10 Jahren verdoppelt.
Jetzt hat Avenir Suisse auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Das Problem ist nämlich ein doppeltes. Die Industrie-Strompreise sind in der Schweiz nicht nur massiv gestiegen, sie sind inzwischen die höchsten in Kontinentaleuropa!

Wie ist das möglich?
Das kann man nur verstehen, wenn man weiss, wie sich der Strompreis zusammensetzt. Es sind vier Komponenten:
- Der Preis für die Energie in Form von Strom. Ihr Elektrizitätswerk (EW) bezieht ihn seinerseits von einem der Stromversorger oder produziert ihn selbst. Diese Kosten schwanken von Ort zu Ort. Sie hängen vom Verhandlungsgeschick des lokalen EW und von der Kostenstruktur der eigenen Werke ab.
- Der «Netzzuschlag» von 2,3 Rappen, aus dem die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) im Rahmen der Energiestrategie 2050 bezahlt wird. Damit subventionieren die Stromkonsumenten die neuen erneuerbaren Energien, die sonst unwirtschaftlich wären. Dieser Anteil des Strompreises hat sich seit 1. Januar 2018 nicht verändert. Unternehmen, die Massnahmen zum Stromsparen nachweisen können, müssen diesen Zuschlag nicht bezahlen.
- Der Netznutzungstarif. Das sind die Kosten für Bau, Betrieb und Instandhaltung des Netzes durch Swissgrid. Mit der immer grösser werdenden Einspeisung von Solarstrom, der auf der tiefsten Spannungsebene eingespeist wird und das Stromnetz nicht stabilisieren kann, muss Swissgrid mehr Aufwand betreiben, um das Stromnetz im Gleichgewicht zu halten und die Frequenz bei 50 Hertz zu halten. Dafür braucht es immer häufiger Eingriffe in die Steuerung des Netzes. Fachleute sprechen von «Redispatch», d. h. von einem raschen Zukauf oder Verkauf bei unerwarteten meteorologischen Situationen, wenn weniger Solarstrom produziert wird. Eine andere Möglichkeit ist das rasche Runterfahren von Wasserkraftwerken, wenn in den Mittagstunden zu viel Solarstrom eingespeist wird. Das alles kostet und so wird der Betrieb des Netzes immer teurer. Seit 2024 werden mit diesem Tarif auch «Wasserkraft-Stromreserven» mitfinanziert, zur Versorgung in kritischen Wintermonaten.
- Abgaben an Kantone und Gemeinden sowie Steuern komplettieren den Strompreis. Auch diese Komponente variiert naturgemäss von Ort zu Ort.
Besonders wegen der dritten Komponente (Netznutzungstarif) ist nicht damit zu rechnen, dass bald Entspannung eintritt – im Gegenteil. Der Strompreis wird die Konkurrenzfähigkeit der schweizerischen Wirtschaft weiter schwächen.